Lebensmelodie

Lebensmelodie
Eine Ode an die Vögel dieses Sommers

Im Garten
singt die Amsel
früh als Erste
zetert abends
auch als Letzte
nochmals durch Bäume

Den ganzen Tag
da schnattern Spatzen
laut im Pulk
doch gehn sie alle
pünktlich und zur gleichen Zeit
zur Ruh

Der Specht
klopft noch immer eifrig
an dem alten hohlen Apfelbaum
manchmal kreuzt
der kleine Klaiber
kopfüber seine Bahn

Am Nistkasten im Birnbaum
hämmerten hübsche Meisen
Das Grünfinkpärchen
flatterte hin und her
Das Rotschwänzchen
kam nur zum Trinken

Am Rand des Kornfelds
turtelten Rebhühner
und buddelten sich ein Nest
Der seltne Wiedehopf
schwenkte seinen schönen Kopf
und suchte nach dem rechten Weibchen

Die hübsche Bachstelze
zwitscherte leise
zwischen Feldern, Weg und Teich
Vom hohen Baum her
hörte man die Falken rufen
wenn die Jungen fliegen lernten

Und die Krähe glaubt
weil sie am höchsten Ast
herumkrächzt, kräht und schreit
gewiss die Wichtigste zu sein
Und manchmal konkurriert
mit ihr die schicke Elster

Doch viel schöner sang
die kleine Lerche
flatterte trillernd überm Feld
Der winzig kleine Zaunkönig
hüpfte blitzvergnügt
durchs Strauchgeäst

In der Linde vor der Kirche
bauten zwei Tauben sich ein Nest
und turtelten schüchtern aufgeregt herum
Die Schwalben segelten
ganz fröhlich durch die Luft
und wendeten an der alten Mauer

In der Abendkühle unter großen Bäumen
spazierte ein Eichelhäher selbstsicher umher
Und dann gab`s da noch
den Schmetterling mit Vogelnamen;
Jeden Abend labtest du dich am Wandelröschen,
Taubenschwänzchen, warst mein Kolibri!

Die Stare sammelten sich
dieses Jahr schon früh
und fielen in die Gärten ein
Die Jungen warn noch braun befiedert
doch manchem wuchs
vom Kopf her schon der Glanz

Am Teich schwirrte plötzlich
ein Eisvogel überm Wasser
Glanz voll königlicher Pracht!

Und wenn der Rotmilan
in großen Kreisen
über mir die Runden dreht
und sich immer höher schraubt
dann befällt mich stille Ehrfurcht
Autorität aus einer andern Welt

Und so kündet mir die Vogelwelt
einen kreativen Schöpfer
und ich singe ihm zum Dank
auch meine eigne Lebensmelodie!

Wenn die Dämmerung den Tag bedeckt
kreisen Fledermäuse um die Reben
tanzen dann beim Mondenschein
unsrer Vogelgattung aus der Reihe
und bleiben doch: Nachtvögel
an deren Flug wir uns erfreun

Und so kündet mir die Schöpfung
einen kreativen Schöpfer
und ich singe ihm zum Dank
auch meine eigne Lebensmelodie!

©Beria: April-September 2014